Also, wer bitte hat schon mal von Jenaz gehört?

Genau. Niemand. Bis unsere “Speed Weasel” Karin dorthin gezogen ist. Sie war sofort begeistert von den stillen Graten, den endlosen Wiesen und vor allem davon, dass kaum jemand diese Ecke überhaupt betritt. Und weil Karin bekanntlich zwei grosse Leidenschaften hat: Rennen und Kuchen, kam ihr sofort der Gedanke: Wieso nicht beides verbinden? Ein Trailrennen, mit viel Natur und natürlich genug Kuchen.

An diesem Punkt kam Thomas ins Spiel. Und wenn es einen Menschen gibt, der Routen planen kann wie kein Zweiter, dann er. Mit einer fast schon ehrfürchtigen Ernsthaftigkeit erklärte er uns, dass es höchste Zeit sei, „back to the roots“ zu gehen. Laufen wie Indiana Jones. Keine bunten Pfeile, keine Plastikbänder, keine Ablenkung. Nur du, deine Uhr und die Natur. Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich das Wort „Indiana Jones“ in dieser Zeit gehört habe.

Dann hatten wir noch Philipp. Der Mann, der schon unzählige trail-maniacs-Events organisiert hat und der es immer schafft, genau die eine Frage zu stellen, auf die sonst niemand kommt. Ohne ihn wäre das Ganze vermutlich ein ziemlich chaotisches Kuchen-Picknick geworden. Und weil Max und ich uns das Spektakel natürlich auch nicht entgehen lassen wollten, war das Team komplett, und die Idee wurde plötzlich Realität.

Das Spannende ist, wir sind alle komplett verschieden. Und trotzdem haben wir uns sofort zusammengefunden. Vielleicht war es gerade diese Mischung, die allen Teilnehmenden später das Gefühl gab, dass da etwas ganz Besonderes in der Luft lag.

Und dann kam der grosse Tag. Nach einem Juli, in dem es gefühlt jeden einzelnen Tag geregnet hatte, standen wir am 2. August bereit. Eigentlich hätten wir uns schon fast über Flossen statt Trailschuhe Gedanken machen können. Doch absagen? Das kam uns gar nicht in den Sinn. Stattdessen packten wir uns in warme Klamotten, lachten über den Regen, und tatsächlich, pünktlich zum Kinderrennen riss die Wolkendecke auf, und die Sonne schob sich hervor, als wolle sie sagen: „Okay, ich bin auch dabei.“

Der Check-in fand übrigens bei Karin im Kioskfenster statt, mit einem Lächeln so breit wie das Prättigau selbst. Insgesamt hatten wir vier Rennen im Angebot, und jedes hatte seinen ganz eigenen Charakter. Die ganz Harten starteten schon um halb sieben morgens zum Triple Ridge. Wer es etwas „gemütlicher“ wollte, wählte den Double Ridge um acht oder den Single Ridge um neun. Und für alle, die sich mit Graten nicht so recht anfreunden konnten, gab es um zehn Uhr die Ridgeless-Variante. Alles in allem, 40 Teilnehmende und jede Menge Vorfreude. Ich selbst war fürs Warm-up zuständig, und was ich dachte, dass ein Pflichtprogramm wird, verwandelte sich in eine Party. Bei jedem Rennen wurden die Bewegungen wilder, die Musik lauter, und die Stimmung ausgelassener. Regen hin oder her, da grinste wirklich jede und jeder.

Das Rennen selbst war so, wie Thomas es versprochen hatte: Abenteuer pur. Selbstnavigation mit GPX-Track auf der Uhr, nur ein paar Abzweigungen markiert. Dazu dicker Nebel, kniehohes Gras und Matsch in allen Variationen. Man könnte fast sagen, selbst Zegama wäre bei so viel Matsch neidisch geworden. Und wer Indiana-Jones-Vibes suchte, bekam sie geliefert. Jeder Schritt war ein kleines Abenteuer, mal musste man sich durch triefend nasse Wiesen kämpfen, mal den Stock aus dem Sumpf ziehen, um nicht gleich den Schuh mit zu verlieren. An manchen Stellen sah man kaum ein paar Meter weit, und trotzdem hörte man irgendwo vorne ein Lachen oder ein lautes „Wooohooo“, wenn jemand gerade einen Grat erklommen hatte. Und dort oben zeigte das Thermometer gerade einmal 4 Grad. Kalt bis auf die Knochen.

Die Grate selbst waren das absolute Highlight. Links und rechts nichts als Nebel und Tiefblick, und mittendrin die Läuferinnen und Läufer, die sich mit wildem Grinsen durchkämpften. Es war nicht nur Laufen, es war ein echtes Abenteuer, eine Mischung aus Schatzsuche, Orientierungs-Challenge und Naturerlebnis pur. Wer die Route fand, fühlte sich wie ein Entdecker. Und wer sie kurz verlor, lachte, drehte um und hatte gleich wieder eine neue Geschichte zu erzählen.

Am Ende kamen alle zurück, erschöpft, und trotzdem mit diesem Funkeln in den Augen, das nur ein richtiges Abenteuer hinterlässt. Und das Beste daran, jeder einzelne sagte, dass es einfach grossartig gewesen sei.

Besonders herzig war das Kinderrennen. Sechs kleine Trailrunner flitzten über einen Ein-Kilometer-Rundkurs durchs Dorf und liessen sich von nichts bremsen. Währenddessen sorgte das Chrona Pub für den Duft von Gegrilltem, der alle ins Ziel lockte.

Zum Schluss gab es eine Rangverkündigung, die genauso herzlich war wie der Rest des Tages, mit schönen Preisen, noch schöneren Geschichten und einer Menge lachender Gesichter. Und so blieb von diesem Tag vor allem ein Gefühl, dass Freundschaft, Regen, Abenteuerlust und ein bisschen Kuchen die perfekte Mischung für ein Trailrunning-Fest sind.